Národní třída: Wo Prags Mittelalter auf die Moderne und die Freiheit trifft

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Die Národní třída (Nationalstraße) ist weit mehr als eine bloße Verkehrsader. Entstanden nach 1771 auf dem zugeschütteten Festungsgraben der Altstadt, markiert sie heute die Grenze zwischen historischem Erbe und moderner Metropole. Sie ist eine Meile der Kontraste – architektonisch, kulturell und politisch.

Architektur-Zeitreise: Von der Eulen-Ampel zum Glaskubus

Die Straße bietet einen faszinierenden Mix aus mehreren Jahrhunderten. Das Palais Adria von 1924 besticht durch den seltenen Rondokubismus, während das Palais Platýz als das erste Mietshaus Prags (1813) gilt. Eine charmante Kuriosität im Hof ist die historische „Eulen-Ampel“: Zeigte die Eule nach oben, waren Parkplätze für Pferde frei; blickte sie nach unten, war der Hof voll.

Die Moderne zeigt sich im wuchtigen Kaufhaus Máj (1975), einem Paradebeispiel der tschechoslowakischen Spätmoderne, sowie im preisgekrönten Neubau DRN (2017), der Glasarchitektur mit hängenden Gärten und Respekt vor der Geschichte verbindet.

Legendäre Kaffeehäuser und der Saxophon-Präsident

Die Národní ist seit jeher das intellektuelle Zentrum der Stadt. Im Café Louvre (1902) kehrten schon Albert Einstein und Franz Kafka ein. Direkt gegenüber dem Nationaltheater lädt das Café Slavia seit 1863 Schauspieler und Künstler ein – Panorama-Blick auf die Moldau inklusive.

Musikgeschichte wurde im Reduta Jazz Club geschrieben. Er gehört zu den ältesten Jazzclubs der Welt und erlangte 1994 Weltruhm, als der damalige US-Präsident Bill Clinton dort spontan zum Saxophon griff.

17. November 1989: Die Geburtsstunde der Freiheit

Die Národní třída ist untrennbar mit der Samtenen Revolution verbunden. An dieser Stelle wurden am 17. November 1989 friedlich demonstrierende Studenten von der kommunistischen Polizei eingekesselt und gewaltsam gestoppt. Die Nachricht von der Polizeigewalt verbreitete sich wie ein Lauffeuer und läutete das Ende der Diktatur ein. Eine kleine, oft mit Kerzen geschmückte Gedenkstätte mit bronzenen Händen erinnert heute an diesen entscheidenden Wendepunkt der tschechischen Geschichte.

Das Nationaltheater: Das goldene Wunder des Volkes

Am Ende der Straße thront das Nationaltheater (Národní divadlo). Nachdem es 1881 kurz nach der Eröffnung fast vollständig niederbrannte, sammelte das ganze Volk innerhalb kürzester Zeit erneut Geld für den Wiederaufbau. Über dem Vorhang prangt bis heute der stolze Schriftzug “Národ sobě” (Die Nation sich selbst). Direkt daneben steht die „Neue Szene“ von 1983 – ein moderner Anbau aus über 4.300 schweren Glaskuben, der bis heute für architektonische Diskussionen sorgt.

📍 Besuchertipp

Besuche die Gedenkstätte der Samtenen Revolution (in den Arkaden nahe dem Palais Schier) am späten Nachmittag, wenn die Kerzen brennen. Verbinde dies mit einer Fahrt im historischen Paternoster-Aufzug im nahegelegenen Rathaus oder einem Besuch im Café Louvre für eine heiße Schokolade im Ambiente der Jahrhundertwende.