Der Wallenstein-Garten: Prags barockes Machtsymbol unter der Burg

banner_partner_1440x256px_2025

Direkt unterhalb der Prager Burg, versteckt hinter hohen Mauern an der Metrostation Malostranská, liegt eine der beeindruckendsten Gartenanlagen Europas. Der Wallenstein-Garten (Valdštejnská zahrada) ist nicht nur eine grüne Lunge, sondern ein steinernes Zeugnis von unermesslichem Reichtum, militärischem Ehrgeiz und einer tragischen Lebensgeschichte.

Albrecht von Wallenstein: Ein Bauherr der Superlative

Zwischen 1621 und 1630 ließ Albrecht von Wallenstein, der mächtige Generalissimus der kaiserlichen Armee, diesen Palast und Garten errichten. Sein Ziel war bescheiden: Er wollte den Glanz der kaiserlichen Prager Burg übertreffen. Dafür ließ er kurzerhand ein Kloster, eine Ziegelei und 23 Häuser abreißen. Es entstand der erste große Barockpalast Prags, der heute als Sitz des tschechischen Senats dient.

Architektur & Kunst: Die Sala Terrena und der schwedische Raub

Das optische Herzstück des Gartens ist die monumentale Sala Terrena. Diese offene Halle bildet den Übergang vom Palast in die Natur. Die prächtigen Deckenfresken zeigen Szenen aus dem Trojanischen Krieg – eine bewusste Anspielung auf Wallensteins eigene militärische Karriere.

Beim Schlendern durch die Anlage fallen die zahlreichen Bronzestatuen antiker Götter wie Apollo oder Venus auf. Doch Vorsicht: Die heutigen Figuren sind Kopien. Die Originale des Künstlers Adrian de Vries wurden 1648, am Ende des Dreißigjährigen Krieges, von der schwedischen Armee als Kriegsbeute geraubt und stehen bis heute im Schloss Drottningholm in Schweden.

Geheimnisvolle Grotte und lebendige Bewohner

Ein mysteriöser Kontrast zum geordneten Barock ist die Tropfsteinwand (Grotte) aus grauem Kalktuff. Wer genau hinsieht, entdeckt in den bizarren Formationen versteckte Fratzen, Schlangen und Eulen. Direkt daneben befindet sich eine Voliere, in der seit Jahrhunderten Uhus (Bubo bubo) gehalten werden – die aktuellen Bewohner leben hier seit 2002.

Berühmt ist der Garten auch für seine frei umherlaufenden Pfaue, darunter seltene weiße Albino-Exemplare. Im großen Schlossteich mit der zentralen Herkules-Statue ziehen bunte Kois ihre Bahnen.

Das tragische Ende eines Imperiums

Trotz seines Reichtums endete Wallensteins Leben jäh. Geplagt von Syphilis, die laut Historikern seine Entscheidungen beeinflusste, fiel er beim Kaiser in Ungnade. 1634 wurde er in Eger (Cheb) von seinen eigenen Offizieren ermordet – sein prachtvoller Garten in Prag überdauerte ihn jedoch als eines der schönsten Denkmäler der Stadt.

📍 Besuchertipp

Der Wallenstein-Garten ist während der Sommermonate (April bis Oktober) täglich kostenlos für die Öffentlichkeit zugänglich. Er liegt direkt am Ausgang der Metrostation Malostranská (Linie A) und ist der ideale Ort für eine Pause nach dem Abstieg von der Prager Burg.

Fazit: Der Wallenstein-Garten ist ein Muss für jeden Prag-Besucher. Er verbindet erstklassige barocke Kunst mit skurrilen Details und bietet eine Ruhe, die man so nah am Zentrum kaum vermuten würde.