Prag und die geheimnisvollen roten & blauen Schilder

Prag ist eine Stadt mit einer reichen Geschichte, und viele Besucher fragen sich, was es mit den roten und blauen Schildern an den Gebäuden auf sich hat. Abgesehen von ihrer Farbe verbergen sie ein faszinierendes Kapitel der Prager Kultur und Stadtgeschichte.

Bis zum Jahr 1802 existierte in Prag kein strukturiertes Adresssystem wie heute. Grundstücksnummern halfen zwar beim Überblick, doch die Identifizierung der Gebäude basierte hauptsächlich auf lokalen Kenntnissen. Einzelne Grundstücke konnten mehrere Häuser beherbergen, die dann als 1180-I, 1180-II, 1180-III usw. bezeichnet wurden. Ohne Kenntnis der Straßennamen war die Orientierung schwer, insbesondere nach der Teilung von Grundstücken.

1802 wurden die roten Schilder eingeführt – ein Meilenstein für Prags Adressierung. Zu dieser Zeit existierte Prag erst seit 25 Jahren als vereinte Stadt aus Altstadt, Neustadt, Kleinseite und Burgviertel. Die zentralisierte Nummerierung vergab jeder Gemeinde innerhalb der Stadt eine eindeutige Gebäude-Nummer. Die roten Schilder, oft mit Variationen wie römischen Zahlen oder Bezirksnummern (z. B. Prag 2, Prag 4), markieren jedes einzelne Gebäude eindeutig – besonders wichtig beim Immobilienkauf.

1868 kamen die blauen Schilder hinzu, um die Volkszählung von 1869 vorzubereiten. Sie erleichtern die Identifikation der Gebäude innerhalb derselben Straße. Ungerade Nummern stehen meist auf der einen, gerade auf der anderen Straßenseite. Auf Plätzen erscheinen sie oft in Reihe. So wurde es ab 1869 deutlich einfacher, Häuser anhand der blauen Tafeln zu finden.

Zusammengefasst: Das blaue Schild ist die lokale Hausnummer innerhalb einer Straße – mehrere Gebäude können dieselbe haben. Das rote Schild ist die eindeutige Nummer eines Gebäudes innerhalb des Bezirks. Wie im Film Highlander heißt es: „Es kann nur einen geben“ – zumindest pro Bezirk. Dieses System ist ein integraler Teil der Geschichte und Identität von Prag und trägt zur einzigartigen Atmosphäre der Stadt bei.