Prags kultiger Riese: Der Fernsehturm Žižkov mit Krabbelbabys entdecken
Prags kultiger Riese: Der Fernsehturm Žižkov mit Krabbelbabys
Man liebt ihn oder man hasst ihn – dazwischen gibt es beim Fernsehturm Žižkov kaum etwas. Hoch aufragend über dem gleichnamigen Stadtteil gehört er zu den ungewöhnlichsten Bauwerken der Stadt und sorgt seit Jahrzehnten für Diskussionen. Für die einen ist er ein Fremdkörper im Stadtbild, für die anderen ein faszinierendes Wahrzeichen der modernen Stadt. Spätestens seit den berühmten Krabbelbabys von David Černý ist der Turm aber zu einer echten Attraktion geworden.
Mit seinen 216 Metern Höhe ist der Turm das höchste Bauwerk Prags. Schon von weitem sichtbar, sticht er aus dem Häusermeer hervor und dient Besuchern oft als Orientierungspunkt. Doch der Fernsehturm ist weit mehr als nur ein technisches Bauwerk – er ist Aussichtspunkt, Kunstinstallation, Restaurant und Designhotel in einem.
Ein Bauwerk aus der sozialistischen Ära
Errichtet wurde der Fernsehturm zwischen 1985 und 1992, also in einer Zeit des politischen Umbruchs. Ursprünglich war er rein funktional gedacht: als Sendeturm für Radio und Fernsehen. Seine futuristische Form mit drei röhrenartigen Säulen wirkte damals provokant und passte so gar nicht zur historischen Architektur Prags. Kein Wunder also, dass der Turm lange Zeit als eines der unbeliebtesten Gebäude der Stadt galt.
Heute hat sich dieser Ruf gewandelt. Viele Besucher sehen im Turm ein spannendes Zeugnis seiner Zeit und ein Symbol dafür, dass Prag mehr ist als nur Gotik, Barock und Jugendstil.
Die Krabbelbabys: Kunst, die polarisiert
Den entscheidenden Imagewandel brachte der tschechische Künstler David Černý. Im Jahr 2000 installierte er riesige, gesichtslose Krabbelbabys an der Fassade des Turms. Die Figuren scheinen den Turm hinaufzuklettern und machen das ohnehin auffällige Bauwerk endgültig unübersehbar.
Die Babys sind typisch Černý: irritierend, provokant und voller Interpretationsspielraum. Manche sehen in ihnen eine Kritik an der anonymen Gesellschaft, andere einfach eine schräge Kunstaktion. Sicher ist: Ohne die Krabbelbabys wäre der Fernsehturm heute nicht das ikonische Fotomotiv, das er ist.
Der Blick über Prag
Ein Besuch lohnt sich vor allem wegen der Aussicht. Die Aussichtsplattform liegt auf etwa 93 Metern Höhe und bietet einen 360-Grad-Blick über ganz Prag. Von hier oben sieht man die Altstadt, die Moldau, die Prager Burg und bei klarem Wetter sogar weit ins Umland.
Besonders spannend: Der Blick ist ganz anders als von klassischen Aussichtspunkten. Statt romantischer Dächer schaut man von oben auf Wohnviertel, Parks und moderne Stadtteile. Wer Prag jenseits der Postkartenmotive erleben will, ist hier genau richtig.
Restaurant, Bar und Designhotel
Im Turm befindet sich außerdem ein stilvolles Restaurant mit Panorama-Fenstern. Die Preise sind höher als im Durchschnitt, doch viele Besucher gönnen sich zumindest einen Drink – allein schon wegen der Aussicht. Vor allem abends, wenn Prag unter einem Lichtermeer verschwindet, ist die Atmosphäre beeindruckend.
Für ein ganz besonderes Erlebnis gibt es sogar ein kleines Designhotel direkt im Turm. Die Zimmer liegen hoch über der Stadt und bieten bodentiefe Fenster mit spektakulärem Ausblick. Sicher nichts für jeden Geldbeutel, aber definitiv eine der außergewöhnlichsten Übernachtungsmöglichkeiten in Prag.
Lohnt sich der Besuch?
Der Fernsehturm Žižkov ist kein klassisches Highlight wie die Karlsbrücke oder der Altstädter Ring. Genau das macht ihn aber so spannend. Wer moderne Architektur, zeitgenössische Kunst und ungewöhnliche Perspektiven mag, wird hier auf seine Kosten kommen.
Auch wenn du nur kurz vorbeischaust, lohnt sich zumindest ein Blick von unten auf die Krabbelbabys. Und wer den Aufzug nach oben nimmt, bekommt einen neuen Blick auf eine Stadt, die man zu kennen glaubt – fernab der üblichen Klischees.
Der Fernsehturm ist damit ein perfektes Ziel für alle, die Prag abseits der bekannten Wege entdecken möchten und Lust auf ein kleines architektonisches Abenteuer haben.